Der deutsche Maschinenbau ist seit jeher einer der Treiber des Wirtschaftswachstums – ein wichtiger Pfeiler unseres Wohlstandes. Spätestens seit der letzten Industriemesse ist aber jedem klar geworden, dass mit Industrie 4.0 die Branche ordentlich durcheinander geschüttelt wird.

Zu Industrie 4.0 gehört, dass Sensoren, anhand von Daten frühzeitig den Verschleiß einer Anlage erkennen und selbstständig ein Ersatzteil oder einen Techniker rufen – im Idealfall eine andere Maschine, die repariert. Das ist wie der Chip in der künstlichen Hüfte: Bevor der Patient Schmerzen hat, wird er schon zum Eingriff bestellt. Die Verfügbarkeit der Anlagen und Maschinen steigt, die Leerkosten sinken und Techniker können noch besser disponiert werden. Industrie 4.0 steht aber nicht nur für diese Vernetzung aller Bereiche innerhalb einer Fertigung. Industrie 4.0 ist auch mehr als Wertschöpfungsketten von Lieferanten, Herstellern und Kunden durch Sensoren miteinander zu verbinden.

Industrie 4.0 steht auch für die Analyse von Daten – und daraus resultierend – die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Jedes Objekt in der Wertschöpfung liefert tagtäglich Millionen von Daten. Wenn diese genutzt werden, können ganz neue Wertschöpfungsketten entstehen. Das hat Konsequenzen für alle Beteiligte: Für den Maschinenbauer genügt es beispielsweise nicht mehr, eine Maschine oder einzelne Bauteile zu verkaufen. Seine Aufgabe wird es sein, seinen Kunden dabei zu unterstützen, die Produktion zu optimieren, die Wertschöpfungskette neu (!) zusammenzustellen.

Maschinenbauer, die sich auch in Zukunft als Maschinenbauer definieren, ihren Sinn also vom Produkt heraus denken, werden Schwierigkeiten im Markt bekommen. Nokia hat auch nur Handys verkaufen wollen. Alternativ können die Maschinenbauer natürlich auch ihre Rolle als Zulieferer von Start-Ups, die sich auf die Datenanalyse konzentrieren, finden. Flixbus oder Uber für den Maschinenbau.

Damit der einzelne Anlagen- und Maschinenbauer in Zukunft eine Existenzberechtigung hat, müssen neue Strategien deshalb vom Kunden aus erarbeitet werden. Statt nur „Made in Germany“, „“Customized in Germany“. Auch der Sinn des Unternehmens muss weiterentwickelt werden. Maschinenbauer brauchen das Kundenorientierungs-Gen, um die Herausforderungen von Industrie 4.0 in echte Chancen der Weiterentwicklung nutzen zu können.