Am Freitag, den 9. Juni 2017 erlebte die Apple-Aktie ein mittleres Erdbeben. 4 % verlor das Papier⁠1. Da Apple nicht von einem Zulieferer abhängig sein möchte, kauft das Unternehmen die Chips für das iPhone von zwei unterschiedlichen Herstellern – Intel und Quantum. Einer ist bedeutend schneller. Damit ein einheitlicher Standard sichergestellt werden kann, wird die Geschwindigkeit auf ein einheitliches Maß gedrosselt. Das macht Apple beim aktuellen Modell iPhone 7 so und ist auch geplant für das neue iPhone 8. So das Gerücht. Dieses Gerücht hat mal eben für einen Millionenverlust bei den Apple-Aktionären gesorgt. Dabei ist diese Botschaft für die Anwendung des neuen iPhone 8 genauso irrelevant, wie für das bestehende Modell.
Bei zirka 500 Megabyte soll die gedrosselte Geschwindigkeit liegen. Das Samsung Galaxy S8 liegt bei einem Gigabyte, ist also doppelt so schnell. Weit gefehlt. Die Netze in Deutschland schaffen abgesehen von wenigen Orten gerade einmal 300 Megabyte. Nur Vodafone bietet an wenigen ausgewählten Städten 500 Megabyte an. Auch in den USA ist ein Gigabit-Netzwerk noch nicht am Laufen. Das Samsung Galaxy S8 könnte schneller sein als das neue und das alte iPhone. Ist es aber nicht. Der Download eines Filmes dauert auf dem Samsung-Gerät genauso lange wie auf den Apple-Smartphones.
Ein System 2 Fehler bei den Börsianern – Verhaltensökonomie pur. Standardbewertung der Meldung (des Gerüchts) wurde eingeschaltet, das Problem nicht wirklich durchdacht. Die Börsianer haben Qualität – Geschwindigkeit könnte als technisches Qualitätsattribut verstanden werden – aus Sicht des Unternehmens bewertet. Dabei kann nur der Kunde definieren, was Qualität ist. Aber an der Börse gibt es wieder viele Gewinner – nämlich diejenigen, die auf fallende Kurse gewettet haben. Mit Kundenorientierung hat dies nichts zu tun. Mit einer funktionierenden Marktwirtschaft aber auch nicht.

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1 Diese Meldung wurde in zahlreichen Medien gebracht. Max Zimmermann von „Die Welt“ ist es zu verdanken, dass der wahre Wert solcher Entwicklungen transparent gemacht wird, Die Welt, 13. Juni, 2017